Gemeinsam neue Materialien entwickeln – über 9.000 Kilometer hinweg

Seit drei Jahren treiben ECOMAT, die Stadt Bremen und die japanische Stadt Kobe gemeinsam die Entwicklung neuer Werkstoffe und Prozesse voran – eine Partnerschaft, die bereits heute sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich Früchte trägt. Zwar lag der Fokus der Zusammenarbeit bislang auf der Wasserstofftechnologie, doch auch andere Technologiefelder wie der 3D-Druck gewinnen im Rahmen dieser Kooperation zunehmend an Dynamik.
Eine künstliche Insel an der südöstlichen Küste Japans, in der Metropolregion Kansai mit ihren Großstädten Osaka und Kyoto. In dieser industriell geprägten Gegend sind Unternehmen wie Kawasaki Heavy Industries, Kobe Steel und Mitsubishi Heavy Industries ansässig. Dort befindet sich auch das Kobe Material Testing Laboratory (KMTL) – eines der größten unabhängigen Werkstoffprüflabore Japans.
Kürzlich hat KMTL eine Anlage zur Werkstoffprüfung unter Wasserstoffatmosphären in Betrieb genommen. Zum Leistungsspektrum gehören Slow Strain Rate Tests (SSRT), Kriechversuche, Ermüdungstests und Rissausbreitungsanalysen.
Diese Verfahren sind zentral für die Entwicklung neuer Materialien in der Luft- und Raumfahrt, der Automobiltechnik und anderen Branchen, in denen Wasserstoff künftig eine Schlüsselrolle spielen wird. Gleichzeitig ergänzen sie die Kompetenzen des Cryo Lab im Bremer ECOMAT, das seit einem Jahr Metalle und faserverstärkte Kunststoffe bei Temperaturen bis zu -253 °C auf Zug-, Druck- und Dehnungsverhalten testet.
KMTL und ECOMAT bündeln Entwicklungskompetenz
Synergien wie diese sind ein Grund, warum das Bremer Forschungszentrum 2025 eine Kooperationsvereinbarung (MoU) mit KMTL unterzeichnet hat – und damit eine Partnerschaft über mehr als 9.000 Kilometer hinweg begründet wurde.
„Wir möchten neue Ansätze und Technologien austauschen, gemeinsam Prüfverfahren entwickeln und die Werkstoffcharakterisierung voranbringen“, erläutert Dr. Hubertus Lohner, Vorsitzender der Technologieplattform ECOMAT e. V., die Ziele.

Unterzeichnung des MoU in Kobe
Wie kooperieren Kobe und Bremen?
Die Zusammenarbeit mit KMTL ist weder die erste noch die einzige Verbindung zwischen der Hansestadt und Japan – insbesondere nicht zur Stadt Kobe. Die grenzüberschreitende Kooperation begann bereits 2022, als sich Delegationen beider Städte gegenseitig besuchten und sich auch in Onlineformaten fachlich austauschten.
„Kobe und Bremen ähneln sich in vielerlei Hinsicht: Beide sind maritime Städte mit bedeutendem Hafen- und Logistikumschlag, verfügen über Schwerindustrie, Hochtechnologie und exzellente Forschungseinrichtungen, engagieren sich im Bereich Wasserstoff – und sind Airbus-Standorte“, so Lohner.
Meilensteine der Zusammenarbeit:
2022: Gemeinsamer Online-Workshop
2023: Gemeinsamer Stand auf der Paris Air Show
2023: Bremer Delegation besucht Kobe
2023: Kobe-Delegation zu Gast in Bremen
2024: Delegationsreise aus Bremen nach Kobe
2024: Messeauftritt auf der ILA Berlin & Unterzeichnung des MoU zwischen Kobe und ECOMAT
2024: Networking-Event für Unternehmen aus Kobe und Bremen bei ECOMAT
2025: ECOMAT-Delegation reist nach Kobe
2025: Unterzeichnung des MoU zwischen KMTL und ECOMAT
Verständnis für die jeweiligen Arbeitsweisen entwickeln
„Dieser Prozess des gegenseitigen Kennenlernens war entscheidend, um die jeweiligen Arbeitsweisen zu verstehen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf politischer, institutioneller und industrieller Ebene auszuloten“, erklärt Lohner rückblickend.
Aus diesen Treffen ist eine gemeinsame Strategie mit der Stadt Kobe entstanden, die in ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt mit klar definierten Zielen und Maßnahmen mündete. Darüber hinaus wurden weitere Kontakte zu den benachbarten Städten Osaka und Kyoto geknüpft, die zusammen mit Kobe die Metropolregion Kansai bilden.
Geplante Projekte:
Kobe University: Pilotprojekt zur Entwicklung neuer Beschichtungen und Start eines Studierendenaustauschprogramms ab 2026
Kyoto University: Gemeinsame Workshops und potenzielle Beteiligung am Austauschprogramm
Yamaguchi University: Geplante Beteiligung am Studierendenaustausch
Industrial Technology Center of Fukui Prefecture: Gemeinsame Workshops

2022: Besuch einer japanischen Delegation im ECOMAT
Auch die Bremer Industrie ist mit an Bord
Neben der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist die Einbindung von Industriepartnern ein zentrales Element der deutsch-japanischen Kooperation. Schon jetzt zeigt sich, dass diese transkontinentale Partnerschaft konkrete wirtschaftliche Impulse erzeugt.
Aktuelle Beispiele aus der Zusammenarbeit:
Kobe International Industrial Fair 2025: ECOMAT-Messeauftritt im Rahmen der norddeutschen HY-5 Wasserstoffstrategie – Kontakt mit über 500 Unternehmen
Unternehmensbesuche: Yamamoto Electrics, ShinMaywa, HyTouch Kobe, Airbus Helicopter Japan und Kawasaki Heavy Industries – Grundlage für künftige Projekte
MoU: Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen KMTL und ECOMAT
Wirtschaftskontakte: Aufbau einer Geschäftsbeziehung zwischen ECOMAT-Partner WeserCAD und einem Unternehmen in Osaka im Bereich 3D-Druck
„Wir stehen am Anfang einer sich entwickelnden Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, dass der Vizebürgermeister von Kobe ECOMAT in seiner Eröffnungsrede auf der Kobe International Industrial Fair 2025 ausdrücklich als einzige internationale Organisation erwähnte. Das zeigt: Wir werden dort als wichtiger Partner wahrgenommen“, sagt Lohner.
Mit Blick in die Zukunft sieht er weiteres Potenzial:
„Es gibt viele gemeinsame Themen, die wir noch nicht angerührt haben, die aber großes Potenzial bieten – etwa Thermoplaste, Faserverbundwerkstoffe, 3D-Druck, Brandschutz sowie Instandhaltung und Reparatur im Flugzeugbau. Genau in diesen Bereichen verfügen wir am ECOMAT und bei unseren Partnern bereits heute über starke Kompetenzen – und diese finden sich ebenfalls in den industriellen Schwerpunkten der Kansai-Region.“
Hubertus Lohner steht Unternehmen und Institutionen, die an einer engeren Zusammenarbeit mit japanischen Industriepartnern und Forschungseinrichtungen interessiert sind, jederzeit gerne zur Verfügung.
Dr. Hubertus Lohner
ECOMAT Board of Directors
Board of Ecomat e.V.
+49 (0)421 538 5826
hubertus.lohner@airbus.com
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